Sonntag, 2. Juni 2013

Sarek-Tour 2013: Herausforderungen - und unsere Antworten darauf


Jetzt wird es spannend: Der Sarek ist längst nicht mehr die viel zitierte "Letzte Wildnis Europas", aber immer noch wildes, von Menschen unbewohntes, Terrain.

Falls etwas schief geht, hat man von der Mitte aus einen zwei- bis dreitägigen Gewaltmarsch vor sich, bis man eine der Hütten am Rand des Nationalparks erreicht. Alternativ gibt es bei Skarja (in der Mitte) ein zentral gelegenes Notfall-Telefon. Die Rettungshubschrauber starten aber nicht bei jedem Wetter. Handy-Empfang gibt es offiziell nicht. Allerdings gibt es Berichte über sporadischen Empfang auf wenigen Gipfeln. Darauf würde ich aber nicht bauen.

Hier geht es also um das, was Probleme bereiten kann - und was den Abenteuer-Faktor erhöht.

1. Orientierung


Die gute Nachricht zuerst: Wir werden uns auf der "Lappland-Autobahn" befinden. Also auf der populärsten Sarek-Durchquerung von der Fjällstation Ritsem nach Aktse. Und das im Juli, dem kurzen lappländischen Hochsommer, in dem das Gros der Trekker unterwegs ist. Zu dieser Zeit ist es übrigens auch rund um die Uhr hell.

Fotos in den Outdoor-Foren zeigen den Weg ausgetretener als manchen Jägersteig in den Alpen. Pfade und Pfadspuren weisen zumindest auf der Hauptroute über weite Strecken den Weg. Offenbar verlieren sie sich nur gelegentlich in sumpfigeren und felsigeren Abschnitten. Die vielen Rentierspuren sollen aber stellenweise Verwirrung stiften können.

Offizielle Markierungen gibt es nicht, Inoffizielle anzubringen ist von der Nationalpark-Verwaltung untersagt. Tatsächlich werden Trekker mitunter aufgefordert, gefundene Markierungen zu entfernen. Der Sarek soll geschützt werden, indem er für den Großteil der Weitwanderer so unattraktiv wie möglich gemacht wird.

Die grobe Orientierung sollte sich relativ einfach gestalten, da wir uns hauptsächlich in den Sohlen großer Trogtäler bewegen. Da geht es eben immer nur in eine Richtung vorwärts. Der Teufel liegt aber bekanntermaßen im Detail. Und dafür ist zumindest die Fjällkartan BD 10 unverzichtbar.

Wer sich ohne Karte (und Kompass) auf eine Trekking-Tour begibt, ist in meinen Augen nicht wagemutig, sondern leichtsinnig. Allein zur Positionsbestimmung geht es nicht ohne. Ganz zu schweigen davon, dass man die Route unterwegs möglicherweise spontan ändern muss.

Ein GPS kommt (für uns) nicht in Frage. Es ist inklusive Ersatzbatterien zu schwer, kann ausfallen und zeigt einen Kartenausschnitt, der für eine vernünftige Orientierung zu klein ist. Aber das ist natürlich eine Sache der persönlichen Präferenz. Ist zusätzlich ein ordentlicher Strecken-Guide verfügbar, schadet das auch nicht. Schließlich sind wir nicht (vorsätzlich) auf einem Survival-Trip.

Was die Orientierung zusätzlich zu einer Herausforderung machen kann, ist das



2. Wetter


Im Sarek regnet es oft. Sehr oft. An zwei von drei Tagen, sagt man.

Allerdings nicht immer überall. Tatsächlich kann es in einem Tal regnen, während im nächsten die Sonne scheint. Im Tal kann es 20 Grad haben, in höheren Lagen 5. Selbst mit Kälteeinbrüchen nebst Schneefall muss man im Hochsommer rechnen. Manchmal regnet es auch nur oben.

Was bedeutet das für uns?

Schlechtes Wetter (langanhaltender Regen/Nebel) erschwert nicht nur die Orientierung, sondern beansprucht auch Ausrüstung, Körper und Psyche. Man tut also gut daran, im Mikroklima des Sareks auf jedes Wetter vorbereitet zu sein - mental und ausrüstungstechnisch. Vom T-Shirt über den warmen Schlafsack bis zum kompletten Regenschutz muss alles mit. Wir hoffen, dass uns der Wettergott gnädig gestimmt sein wird, stellen uns aber auf den worst case ein.


3. Furten


Das Furten, also das Durchqueren von Flüssen und Bächen, ist aus heutiger Sicht die größte Herausforderung der Tour. Ohne geht es auf der von uns gewählten Strecke nicht. Die Wasserstände und Fließgeschwindigkeiten sind eng an die Schneeschmelze und an das Wetter gekoppelt. Insofern sind sie schwer vorhersehbar. Letztlich wissen wir erst wie es aussieht, wenn wir davor stehen. Als Faustregel gilt: Morgens führen die Flüsse wegen der kühleren Nachttemperaturen weniger Schmelzwasser der Gletscher. Zum Nachmittag werden dann die Höchststände erreicht.


Furten in Peru 2012, Santa-Cruz-Trek
Ob Teleskop-Wanderstock oder solider (aber schwerer und sperriger) Drei-Meter-Holzstab: Für das Durchwaten der eiskalten Ströme empfiehlt sich ein drittes Standbein, um nicht ungeplant Baden zu gehen. Wir greifen zudem auf Crocs bzw. Trekkingsandalen plus Neoprensocken zurück. Mehr dazu in einem späteren Post zur Ausrüstung. So bleiben die gewachsten Leder-Wanderstiefel trocken und die Füße werden nicht (so schnell) gefühllos.

Experten-Tipps zum "Lesen" von Gletscherflüssen/Strömungen/Untiefen und zu Furt-Techniken gibt es hier:

www.polarwind.net/content/view/31/47/
www.isafold.de/trekking/furten.htm
www.paisland.de/island/html/furten_von_flussen.html



4. Mücken


Wer Schweden sagt, muss auch Mücke sagen. Oder so ähnlich.

Die Berichte über Mücken im Sarek gehen stark auseinander.

Sicher ist:

- es gibt sie und sie sind aggressiv
- sie treten tagsüber auf, sind in den Abendstunden aber besonders aktiv
- 15 Mücken (und mehr) auf einem 10x10cm breiten Stück des Oberschenkels sind möglich
- sie fliegen gerne ins Gesicht
- ob sich die fliegenden Stechrüssel zur Plage ausweiten, hängt vom Jahr und der Jahreszeit ab
- windige Stellen und höhere Lagen sind relativ mückensicher -> Zeltplatzwahl
- das sumpfige Rappadalen gilt als die "Grüne Hölle" (wir laufen aber weit oberhalb)

Was bedeutet das für uns?

Über das richtige Insektenmittel (und dessen Gesundheitsverträglichkeit) wird in den Foren unablässig philosophiert. Unverzichtbar ist es in jedem Fall. Wir entscheiden uns für ein heimisches Produkt: Anti-Brumm Forte, mit 28% DEET. Für jeden eins.

Im Gegensatz zu Autan ist mir zu Anti-Brumm kein Bericht bekannt, dass es in Schweden ineffektiv gewesen wäre. Mit einer hohen DEET-Konzentration ist man gewöhnlich auf der sicheren Seite. Man sollte es nur nicht über einen zu langen Zeitraum verwenden und vor der Reise die eigene Verträglichkeit testen. In der Apotheke ist es übrigens günstiger als in den Online-Shops.

Außerdem haben wir in Hüte mit Mückennetzen (Pinewood Mosquito Hut) investiert. Harter Schutz schlägt jede Imprägnierung. Modisch sicher nicht, praktisch allemal. Sonst auch als Sonnen-/Regenschutz verwendbar.

Abends am Lager, und wenn es tagsüber sogar in der Bewegung zu garstig werden sollte, können wir immer noch die stichdichten Goretex-Regenhosen überstreifen.

Von den vielseits beschworenen, gewachsten Fjällräven Hosen bin ich nicht überzeugt. Das Konzept funktioniert für mich nicht. Sie sind relativ schwer, ohne 100% wasserdicht zu sein. Um wasserabweisend zu sein, müssen sie regelmäßig eingewachst werden (das Wachs trägt man natürlich mit). Für fast das gleiche Gewicht kann ich eine leichte, schnelltrocknende Trekkinghose mit abnehmbaren Beinen und eine robuste, stichdichte Goretex-Regenhose einpacken. Also habe ich praktisch drei Hosen mit unterschiedlichen Eigenschaften:

1. Eine Kurze, die schnell trocknet und als Layer verwendet werden kann.
2. Eine Lange, die schnell trocknet und als Layer verwendet werden kann. 
3. Eine Robuste, Stichdichte, absolut Wasserdichte, die man auch als Ersatzhose für die nasse, schnelltrocknende Hose tragen kann.

Das alles anstatt der einen, die nicht so schnell trocknet, die nicht wasserdicht ist und auch noch Pflegeaufwand und zusätzliches Gewicht durch das Pflegemittel bedeutet. Food for thought, Leute.

5. Fazit


Orientierung, Wetter, Furten, Mücken. Vier Herausforderungen, die sich mit der richtigen Vorbereitung und Ausrüstung sicher so bewältigen lassen, dass die positiven Aspekte unserer Expedition am Ende überwiegen werden. Der Respekt ist da, aber Vorerfahrungen auch. Im Zweifelsfall wird improvisiert. Und überhaupt: Das Mindset entscheidet. Wer nichts erlebt, hat auch nichts zu erzählen, right?



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