Montag, 2. Dezember 2013

Sarek Reisebericht: Epilog - Hot or not? Welche Ausrüstung sich bewährte und die Flops

Viele Gedanken haben wir uns im Vorfeld der Sarek-Tour gemacht. Von der Etappenplanung über die Ausrüstung und die Verpflegung bis zur Packliste und zur Anreise. Doch was hat sich bewährt? Was war überflüssig oder fehlte? Hier werfen wir einen Blick darauf. Außerdem präsentieren wir einige der für uns wichtigsten Erkenntnisse des Trips.



Adapt. Improvise. Overcome. - Wichtigste Erkenntnisse

1. Mehr Zeit einplanen.

Gelände, Orientierung und Wetter können zu Verzögerungen führen, die mit nur einem Reservetag nicht abgefedert werden können. Unseren Notfalltag mussten wir am ersten Tag opfern. Alle weiteren Tage wurden durch das enge Zeitkorsett strapaziöser als sie von der Wegbeschaffenheit her hätten sein müssen. Ein Ruhetag oder Abstecher waren nicht mehr drin. Wir waren nicht am Limit, aber die Tour hätte auch entspannter sein können. Für eine vergleichbare Expedition würde ich beim nächsten Mal etwa drei Extra-Tage einplanen.


2. Warmlauf-Zeit berücksichtigen.

In unserem Fall kein Problem, aber für künftige Touren bewusst im Hinterkopf: Am ersten Tag dauert vieles noch etwas länger. Der Rucksack ist dann am schwersten, der Körper möglicherweise noch nicht auf die Belastung eingestellt, die Bewegungsabläufe unter Volllast ungewohnt. Auch ist das Optimierungspotenzial hier am größten: Die Abläufe vom Zeltaufbau bis zum Essenkochen sind noch nicht (wieder) routiniert - insbesondere, wenn das Team in dieser Konstellation zum ersten Mal unterwegs ist. Auch bei der (Pack-)Ordnung der Ausrüstungsgegenstände nimmt man möglicherweise noch Anpassungen vor. Künftig werde ich deshalb weiter darauf achten, die erste Etappe zeit- bzw. streckenmäßig unterdurchschnittlich zu halten.


3. Gut vorbereitet = Entspannter unterwegs.

Train hard, fight easy. Eine gute Vorbereitung gepaart mit Erfahrungswerten erhöht das Antizipationsvermögen und mindert die Wahrscheinlichkeit von unliebsamen Überraschungen. Wie ausgiebig man im Vorfeld über Erwartbares und Backup-Lösungen nachdenkt, ist natürlich eine rein individuelle Angelegenheit. Während unsere Planungen von manchem als (zu) akribisch empfunden werden mögen, haben sich doch nahezu alle vorweggenommenen Überlegungen - etwa zu den Herausforderungen - bestätigt. Bis auf die Baustelle vor dem Hotel in Gällivare gab es deshalb nichts, was völlig unerwartet gekommen oder nicht durch Improvisation zu regeln gewesen wäre.

4. Verpflegung - Zu viel mitgenommen oder zu wenig gegessen?

Für acht Tage hatte ich 4,8 Kilogramm Essen dabei. Inklusive Notfallration und Danielas Geburtstagsessen. Verbraucht habe ich 3,3 Kilogramm. Eineinhalb Kilo waren also totes Gewicht, das ich wieder mitgebracht habe. Gefrühstückt und zu Abend gegessen habe ich jeden Tag wie geplant. Nur tagsüber hatte ich so gut wie kein Hungergefühl. Deshalb sind hauptsächlich Energieriegel übriggeblieben, an denen ich mich schnell sattgegessen hatte. Zwei Kilo habe ich während des Treks abgenommen. Für die nächste Tour würde ich weniger Riegel mitnehmen, dafür mehr Abwechslung z.B. mit kleinen Würstchen und Hartkäse reinbringen.


TOPS



1. Crocs-Neoprensocken-Kombination

Zum ersten Mal als leichtes, günstiges, vielseitiges Furtmittel eingesetzt und absoluter Gewinner der Tour. Völlig egal, ob Wasser oder Sumpf: einfach durchgehen. Die Crocs schützen den Fuß vor Steinen, Zweigen, Wurzeln. Schlick wird beim nächsten Schritt wieder rausgedrückt, Wasser wird nicht aufgenommen sondern läuft einfach durch. Die Wanderstiefel bleiben trocken.

Das Neopren hält die Füße warm, es bleibt nichts hängen. Am Ende spült man die Socken und die Schuhe einfach mit Wasser aus. Hat man einen Lappen oder Wärme, sind die Crocs im Nu trocken und die Socken trocknen schnell. Ich habe aus reiner Bequemlichkeit mit Rucksack mehrere Kilometer damit im Sarek zurückgelegt. Wer auf den Umknickschutz eines Stiefels in gut begehbarem Gelände mit vielen Sumpfflächen/Wasserläufen verzichten kann, sollte sich diese Lösung einmal anschauen.

2. Trekkingstöcke mit Schneetellern

Von uns werden Schneeteller fortan als Ganzjahresteller verwendet.
* Die Stöcke stehen besser, wenn man sie in den Boden steckt um die Hände frei zu haben.
* Durch die größere Auflagefläche bieten Schneeteller im Vergleich zu den Standard-Tellern besseren Halt und mehr Stabilität in Sand- und Kiesbänken, Schnee-, Sumpf- und Blockfeldern.

3. Hut mit Mückennetz

Hässlich aber effektiv. Angesichts der Unvorhersehbarkeit des tatsächlichen Mückenaufkommens, der Aggressivität der Plagegeister und der Schwäche (deutscher) Anti-Mückenmittel aus unserer Sicht ein Must-have um den schwedischen Mosquito auf Distanz zu halten. Wir waren jedenfalls dankbar, dass wir sie hatten.

4. Gebirgswaschmaschine

Funktioniert wie im Reisebericht beschrieben einwandfrei. Zumindest für Synthetik-Kleidung können wir das sagen. Wer der Natur etwas Gutes tun möchte, versucht es mal und verzichtet auf die (Outdoor-)Seife.

5. Fjällkartan BD 10

Unerlässliches Navigationsmittel. Die für einen Alpenwanderer zunächst ungewohnt grobe Auflösung von 1:100.000 reicht für die gewaltigen landschaftlichen Dimensionen des Sareks vollkommen aus.



FLOPS


1. Anti-Mückenmittel (fast wirkungslos, siehe Reisebericht)

2. Buch (Tagesetappen zu lang, abends zu erschöpft gewesen)

3. Gamaschen (kein grundsätzlicher Flop, nur auf dieser Tour wegen Regenhosen nicht benutzt und daher überflüssig)

4. Schweizer Taschenmesser samt Lederetui am Zeltplatz kurz vor dem Skierffe verloren.

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